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Andacht zu Gründonnerstag 2020

von Pastor Roland Ressmann

Der Friede des Herrn seit mit euch allen. Amen

Gründonnerstag ist ein besonderer Tag. Die Evangelien berichten uns davon: Jesus feiert in der Nacht vor seinen Tod das „letzte Mahl“ mit seinen Jüngern als Passahmahl. Der biblische Spruch des Tages ist eine Erinnerungshilfe für die christliche Gemeinde. „Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige Herr“ (Psalm 111,4). In „normalen Zeiten“ würden wir uns als Gemeinde treffen und Abendmahl feiern. In diesem Jahr können wir es sichtbar als Gemeinde nicht, aber wir können es in unseren Häusern tun.

 

Psalm 111 – mit Kehrvers (vgl. Arbeitshilfe zum Evangelischen Gottesdienstbuch 2.21)

Ich will dir danken, dass du Leib und Seele nährst, Gott meines Lebens!

Halleluja!

Ich will den HERRN von ganzen Herzen danken.

Groß sind die Taten des HERRN.

Alle, die sie lieben, erkunden sie gern.

Glanz und Schönheit umgeben sein Tun.

Ich will dir danken, dass du Leib und Seele nährst, Gott meines Lebens!

Er gab die Feste, die an seine Wunder erinnern. Gnade und Barmherzigkeit schenkt der HERR.

Er gab denen zu essen, die ihn verehren.

Für alle Zeit denkt er an seinen Bund.

Ich will dir danken, dass du Leib und Seele nährst, Gott meines Lebens!

Was seine Hände tun, ist Wahrheit und Recht.

Auf seine Gebote kann man bauen.

Heilig ist sein Name, man hat Ehrfurcht vor ihm.

Weisheit beginnt mit Ehrfurcht vor dem HERRN.

Das Lob seiner Taten bleibt für immer bestehen.

Ich will dir danken, dass du Leib und Seele nährst, Gott meines Lebens!

 

Gebet

Gott, Herr unseres Lebens, du hast mit deinem Volk Israel einen ewigen Bund geschlossen. Wir danken dir, dass du uns durch deinen Sohn Jesus Christus mit hineinnimmst in diesem Bund. Öffne unsere Augen, alle Sinne, dass wir das Geheimnis seiner Hingabe erkennen. Du siehst unseren Hunger nach Leben, Glück und Gemeinschaft. Wir bringen vor dich, was uns Sorge macht und erschreckt, was uns sprachlos macht - Stille - Halte und stärke uns mit deinem Erbarmen. Umfange uns mit deinen SCHALOM. Amen

 

Lesung aus 1. Korinther 11,23-26 (Einheitsübersetzung)

23 Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot,24 sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! 25 Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! 26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

Lied: EG 65 (Evangelisches Gesangbuch) 65

1. Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar, so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

2. Noch will das alte unsre Herzen quälen, noch drückt uns böser Tage schwere Last. Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen das Heil, für das du uns geschaffen hast.

6. Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet, so lass uns hören jenen vollen Klang der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet, all deiner Kinder hohen Lobgesang.

7. Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Text: Dietrich Bonhoeffer (1944) 1945/1951 Melodie und Satz: Otto Abel 1959

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde,

wie schön ist es, einen Bäcker um die Ecke zu haben. Es ist ein großer Luxus - nicht nur in Zeiten von Corona - sonst auch. Regional ist gut. Ich habe Menschen vor Augen, die sich mit ihrem Handwerk Mühe machen und davon leben. Es ist ihr „täglich Brot.“ DANKE! In meiner Zeit als Pastor in Namibia war es für mich immer wieder eine große Freude „richtiges Farmerbrot“ geschenkt zu bekommen. Im Gegensatz zu dem geläufigen Weißbrot war viel Gutes und Gehaltvolles drin. Aber auch darin erinnere ich mich… Fast täglich standen Menschen vor unserem Pfarrhaus in Okahandja und haben nach „Brot und Wasser“ gefragt. Als meine Frau und ich neulich in der Bürgerhilfe Lauenau mithalfen um Nahrungsmittel - auch Brot - an bedürftige Menschen zu verteilen ist mir (uns) noch einmal sehr deutlich geworden, wieviel Nahrungsmittel in Deutschland als Überschuss produziert um dann weggeschmissen zu werden. Gott sei Dank gibt es die Tafeln und Initiativen, die gute Lebensmittel noch einem sinnvollen Zeck zuführen. Es ist uns noch einmal bewusst geworden, noch achtsamer - schon beim Einkaufen - auf unsere Lebensmittel zu achten.  „Brot“ steht wie kein anderes Lebensmittel als Symbol für genug oder nicht genug zum täglichen Leben zu haben, satt mit Völlegefühl oder mit Hunger ins Bett zu gehen. Erinnerungen von Menschen an Zeiten, wo es nicht genug zu essen gab, sind schlimme Erinnerungen. Wir brauchen Brot. Aber: Brot alleine - und das merken wir in diesen Zeiten der Krise deutlich - ist nicht genug. Wir brauchen soziale Kontakte, funktionierende Nachbarschaften, freundliche Worte und liebevolle Blicke, Menschen, auf die wir uns verlassen können, die „da sind“, wir brauchen körperliche Bewegung, Momente der Freude, wir brauchen gute Verwaltungen, gute Krankenhäuser, Landwirte und Lebensmittelhersteller, Supermärkte und ihre Mitarbeiter, brauchen Menschen, die „den Laden am Laufen halten…“ „Der Mensch lebt nicht vom Brot alleine, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Mund Gottes geht“ (Matthäus 4,4). Auch das merken wir in diesen Tagen, unsere Seelen brauchen auch Nahrung. Auch sie wollen am Leben erhalten werden. Wir haben auch Hunger nach Leben.

Brot ist mehr als Brot. Brot ist mehr als seine Zutaten. Brot lebt davon, in die Hand genommen zu werden, es zu riechen, zu schmecken, zu genießen, zu teilen, als Pausenbrot wie auch in großer Gemeinschaft, im Gottesdienst.

Wenn das Brot, das wir teilen als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht, in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt. So fängt ein Lied an. Ein Lied, geschrieben von Claus Peter März. 1981, zu DDR-Zeiten geschrieben, wurde es später von Kurt Grahl vertont, um auf „Wallfahrt“ u.a. von Jugendlichen gesungen zu werden.

Brot und die Königin der Blumen, die „Rose“ - Zeichen der Liebe - in einem Satz verbunden mit dem Wort „teilen“. Gesungene Botschaft am Gründonnerstag. Der Erinnerung an den, der sagt „Ich bin das Brot des Lebens“ (Johannes 6,35). Das Brot, dass ich riechen und schmecken kann, wird zum Brot für die Seele, das an Christus erinnert, sein Leiden und Sterben vergegenwärtigt und Menschen sichtbar und unsichtbar zu einer weltweiten Gemeinschaft von Christinnen und Christen verbindet. Brot und Wein, Brot und Saft liegen auf dem Altar in unseren „Gotteshäusern“, wie auf dem Tisch in unseren Häusern. Wenn ich die Hand erwartungsvoll ausstrecke, heißt es: Ich greife im Vertrauen nach dem Brot, das Leben schenkt. Leben, das Bestand hat, in und über Krisen hinaus. Leben hier und ewiges Leben. Um den Glauben kann ich nur bitten. Wenn ich zum Abendmahl meine Hand nach dem Brot und dem Kelch ausstrecke, sage ich innerlich und zeige es auch äußerlich: Ich werde von Gott beschenkt, ich bin bedürftig, ich bin erwartungsvoll und dankbar.

Die ausgestreckte Hand ist die Hand, die empfängt und die Hand, die andere Menschen beschenkt. Und so werden wir aus jeden Abendmahl neu entlassen mit diesem Blick, den das Lied in seinen weiteren Strophen so ausdrückt: Wenn das Leid jedes Armen uns Christus zeigt und die Not, die wir lindern, zur Freude wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, … Wenn die Hand, die wir halten, uns selber hält und das Kleid, das wir schenken, auch uns bedeckt,…Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt und der Schmerz, den wir teilen, zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt, ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht, in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt!  

Der Kreis zum Abendmahl ist immer auch offen, einladend und nimmt andere Menschen, an anderen Orten, aus unterschiedlichen Nationen mit in den Blick. Gott schenkt uns seine Nähe, die Freude an den Dingen, die wir täglich genießen dürfen, er schenkt uns auch die Bereitschaft, Reichtum zu teilen und zum Verzicht. Ich verliere nicht, wenn ich teile und schenke, sondern gewinne Hoffnung, habe Anteil an Gottes Reich, an Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Dann bin ich Teil der „Rose“, die unter uns wächst und „aufblüht“, nicht nur als Vision, sondern als tatkräftiges Zeichen der Heilung für die Welt. So wird unser Teilen zum „Brot für die Welt.“ Das Lied von Claus-Peter März schließt mit der 5. Strophe: „Wenn das Leid, das wir tragen, den Weg uns weist und der Tod, den wir sterben, vom Leben singt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…“

Wir erinnern uns in diesen „stillen Tagen“ in besonderer Weise an Jesu Leiden und Sterben. Wir haben Teil als Gemeinde an einer besonderen Tischgemeinschaft. Es ist eine Hoffnungsgemeinschaft, die auch Leid gemeinsam trägt, tröstet, weint … die auch die Hoffnung auf Zukunft verbindet, um dann auch wieder zu lachen, zu tanzen und aufzuleben… und vom „Leben singen.“ „So oft ihr´s es tut“, heißt es in unserer Liturgie zum Abendmahl, „tut es zu meinem Gedächtnis.“ In diesem Gedächtnis begehen und feiern wir diese Karwoche, ganz anders als sonst, aber immer mit Gottes freundlichen Einladung im Ohr: „Kommt, es ist alles bereit. Sehet und schmecket, wie freundlich der Herr ist.“ Amen

Lied: LW (Lebensweisen) 69,1-5 „Wenn das Brot, das wir teilen“

 

Abendmahlsliturgie Betrachtung von Brot und Wein(-Traubensaft)

(vgl. https://www.michaeliskloster.de/aktuelles/2020/03-16-gottesdienst-zeitgleich)

Eine/r: Auf unserem Tisch liegt Brot. Wir brauchen Brot zum Leben. Brot macht satt. Es erinnert uns an Jesus. Er hat gesagt: ich bin das Brot des Lebens.

Auf unserem Tisch steht Wein-(Traubensaft). Wir genießen ihn. Er schmeckt nach der Freundlichkeit Gottes, der uns und alles geschaffen hat.  Heute erinnern wir uns, wie es damals war. 

Ein/e andere/r: Oder zugesprochen (Klick auf Einsetzungsworte I öffnet Audiodatei s. Michaeliskloster/Gründonnerstag): In der Nacht, als Jesus verraten wurde und mit seinen Jüngern zu Tische saß, nahm er das Brot, dankte und brach es, gab’s seinen Jüngern und sprach: Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. 

Einer/r: Gemeinsam essen wir das Brot und sprechen miteinander beim Essen:  Das Brot des Lebens, Christus für dich (für mich). 

Ein/e andere/r:  Oder zugesprochen (Klicke auf Einsetzungsworte II, s. Michaeliskloster/Gründonnerstag): Ebenso nahm er auch den Kelch, dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus. Das ist mein Blut des neuen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut zu meinem Gedächtnis.  

Gemeinsam nehmen wir /nehme ich den Becher und spreche/n (beim Trinken): Alle:  Der Kelch des Heils, Christus für dich (für mich).

Dank und Fürbitten: Gott. Wir sind verbunden. Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit dir.

Wir danken dir – In Brot und Wein haben wir deine Kraft gespürt. Du bist uns ganz nah gekommen. Wir denken an alle, die wir lieben. Wie gerne würden wir die Ostertage zusammen verbringen. Wir denken an sie. Was tun sie gerade. Stille. Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind. Stille. Wir denken an alle Kranken. Besonders an diejenigen in Krankenhäusern und in Alten- und Pflegeheimen, die keinen Besuch haben können.

Stille. Wir denken an alle, die helfen. In Pflegeheimen, in den Häusern und überhaupt. Sie setzen ihre Kraft und ihre Gaben ein für andere.

Stille.  Gott. Wir sind deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft deiner Schöpfung. Beten zu dir in allem, was ist. Beten zu dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute, und vergib uns unsre Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

 Hände öffnen und laut sprechen: Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.                             

 

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus Lauenau, gesegnete Osterzeit und Gesundheit Ihr/Euer Roland R. Ressmann, Pastor - Lauenau – Hülsede – Messenkamp

 

 

Auf der Homepage der Kirchengemeinde Lauenau
 

www.ev-kirche-lauenau.de

 

unter der Rubrik „Gottesdienste/aktuelle Andachten“ finden Sie, findet Ihr für diese Woche und für die Ostertage, aktuelle Andachten aus Ihrer/Eurer Kirchengemeinde!

Andacht zu Palmsonntag 5. April 2020

von Pastor Roland Ressmann

Andacht für den 6. Sonntag in der Passionszeit - Palmsonntag 05. April 2020

 

Begrüßung

Manche Wege sind anstrengend, führen bergauf. Manche Wege sind schwer, weil man sich unsicher ist was einen am Ende des Weges erwartet oder wer einen erwartet. Jesus zieht nach Jerusalem. Er wird überschwänglich begrüßt, später wendet sich das Blatt. Jerusalem wird zum Ort seines Todes. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche, die „stille Woche.“ Deutlich stiller ist es auch in unseren Tagen. Die Corona-Pandemie lässt uns innehalten, Leben, unser Alltag geschieht leiser, geschieht mit „angezogener Handbremse.“ Palmsonntag, ein besonderer Tag. Ich begrüße Sie alle ganz herzlich, da wo sie gerade sind. Wir sind versammelt an verschiedenen Orten, aber doch als eine Gemeinde. Wir feiern Gottesdienst, im Namen des Vaters und des Sohnes und verbunden durch den Heiligen Geist. Amen

Lied: EG (Evangelisches Gesangbuch) 91,1-5 „Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken“

 

Mediation (vgl. Stephan Goldschmidt-Denn du bist unser Gott)

Hosianna - so jubeln dir die Menschen zu. Hosianna dem Sohn Davids!

Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!

Du kommst nach Jerusalem, ziehst ein in die Stadt Gottes. Wie ein König wirst du begrüßt, die Menschen beugen ihre Knie, sie huldigen dir, legen ihre Kleider in den Staub und Palmen auf den Weg. Doch bald werden sie nicht mehr jubeln, sie werden rufen: „Kreuzige, kreuzige ihn!“

Du kommst zu uns Menschen und doch trittst du anders auf, als wir es denken, du reitest auf einem Esel, du sitzt nicht hoch zu Ross, trägst nicht die Kennzeichen der Macht. Du enttäuschst unsere Erwartungen, lässt dich nicht benutzen für unsere Ziele.

Du kommst auch zu mir, in unscheinbarem Gewand, du kommst anders, als ich es mir wünsche, enttäuschst auch meine Hoffnungen und Träume. Will ich mich dir öffnen, will ich dich empfangen, will ich dir das Hosianna singen, nicht nur heute, sondern auch morgen?

 

Tagesgebet

Komm, o mein Heiland Jesus Christ, meines Herzen Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; deine Freundlichkeit auch uns erschein…

Herr, barmherziger Gott, du siehst, wo wir stehen: Am Wegesrand, in unseren Häusern, in Krankenhäusern und Altenheimen… An den Orten des Lebens, an den Orten des Abschieds, verzagt, mit schwacher Hoffnung in diesen Tagen. Zum Jubeln ist uns nicht zumute. Wir klagen dir unsere Not, die Not der Welt, bitten dich um Heilung und Trost. Wir brauchen Rat, wir brauchen dein Wort, dass uns in die Zukunft weist. Lass es uns so hören, dass es unser Herz erreicht. In der Stille sind wir vor dir… Amen

 

Evangelium des Tages: Johannes 12, 12-19

Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde, nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: 

Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel! Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9): „Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“ Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte. 

Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat. Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan. Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

 

Liebe Leserinnen und Leser, liebe sonntägliche Gemeinde,

da klatschen Menschen in unseren Tagen, bilden Spaliere in Krankenhäusern, wenn Menschen - nach überstandener Coronaerkrankung - geheilt entlassen werden. Menschen klatschen gemeinsam in Innenstädten, am Abend an Fenstern und Balkonen, ein DANKE an Menschen in medizinischen Einrichtungen… die menschenmögliches tun, um zu helfen und zu heilen. Ihnen gilt der Dank. Jetzt in der Krise - auch zukünftig - nach der Krise!? Mein Blick schweift immer wieder ab, ich denke in diesen Tagen auch an Menschen in Italien und Spanien, in New York, ich denke an Menschen in den Armutsvierteln dieser Welt. Was passiert mit ihnen, wenn der Virus über sie hineinbricht, wer ist dann für sie da…? Wer ist für die am „Wegesrand“ da, die sonst auch im Abseits stehen. Wenig beachtet, ohne Lobby, ohne Krankenversicherung, ohne Fernsehkameras?

Menschen stehen damals am Wege und jubeln einem Mann zu. Immer wieder jubeln Menschen Menschen zu. Stars und Sternchen, mit und ohne roten Teppich. Daumen hoch!

Jesus zieht mit seinen Freunden hinauf nach Jerusalem, er ist nicht alleine unterwegs. Viele Menschen sind in festlicher Stimmung, freuen sich auf die Tage in Jerusalem. Vielleicht hat einer plötzlich angefangen, zu klatschen, zu rufen, Palmzweige in die Hand zu nehmen. Es werden mehr und mehr, ein Raunen geht durch die Menge, lauter werden die Stimmen: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ Ob eigentlich alle wissen, wen sie da begrüßen? Egal, wenn alle rennen und klatschen muss was dran sein… Sensationslust, Ergriffenheit, ungläubiges Staunen, Begeisterung erfassen die Menschen. Sie hatten „Unglaubliches“ von diesem Wundertäter gehört, seine Zeichen waren schon erstaunlich. Einen Toten, den „Lazarus“ aus Bethanien soll er wieder zum Leben auferweckt haben. Die Kunde davon ging rasant schnell durch die Orte, durch die „sozialen Netzwerke“ damals, also von Mund zu Mund. Bethanien, „Haus des Elends“, dort ereignet sich vor dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem etwas stilleres. Ein besonderer Liebesdienst. Wellness, schön und wohltuend, doch auch seltsam, weil dieser „Liebesdienst“ etwas vorwegnimmt. Verwunderung, gar Empörung bei den Freunden Jesu über diese Verschwendung. Im Haus des Elends passieren seltsame Dinge. Die Evangelien berichten davon, der Evangelist Markus berichtet so davon (Markus 14,3-9): 3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Was könnte man mit all den Geld nicht Gutes tun!? Den Armen helfen… Ein gutes Argument, damals wie heute. Wer sollte widersprechen. Einer widerspricht. „Sie hat ein gutes Werk an mir getan.“ Jesus sieht etwas, was seine Freunde (noch) nicht sehen können oder wollen. Der, der sich wie kein anderer um die am Wegesrand, die Außenseiter, Kranke, Arme… gekümmert hat und kümmern wird lässt diese Wohltat der Salbung mit kostbarem Öl an sich geschehen. Liebe rechnet nicht, sie handelt, wenn es der Augenblick erfordert. Nicht die „ganze Welt“ vor Augen - auch nicht „alle Armen“ - sondern den einen Menschen. Die Frau handelt, ohne mit den Wimpern zu zucken oder eine Gewinn- und Verlust-Rechnung aufzustellen. Erkennen, was gerade dran ist. Damals zurzeit Jesu. Heute in Zeiten der Corona-Pandemie, aber nicht nur dann! Erkennen, wer gerade Hilfe braucht. Der Staat handelt, Menschen handeln in Nachbarschaften. Erkennen wer Unterstützung braucht beim Einkaufen, durch gute Worte, ein „Ich-denk-an Dich“, einen Brief, ein „Livestream“, tatkräftiges Zusammenrücken „auf Distanz“ … durch Achtsamkeit untereinander, Besonnenheit in den Supermärkten. „Nardenöl“ kann so unterschiedlich ausgegossen werden. Es ist jetzt nicht die Stunde, wo jeder sich am Nächsten ist. Im Haus des Elends, in Bethanien geschieht etwas, was schon auf Jesu Passion, seinen Tod hinweist. Das „Kreuzige ihn“ steht schon am Horizont. Bald wird es stiller werden um den Mann von Nazareth. Die Frau, ihr handeln soll in Erinnerung bleiben. Das ruft Jesus seinen Jüngern, ruft er uns zu. Wir treten mit Palmsonntag in die Karwoche ein. Stehen am Wegesrand, ziehen mit ein nach Jerusalem und wissen nicht recht wie uns zumute ist. Die österliche Freude ist (noch) weit weg. Wird sie sich überhaupt in diesen Tagen einstellen? Was kommt, wie geht es weiter? Wann geht es wieder bergauf?

Mir hilft in diesen verworrenen Tagen ein Lied aus unserem Evangelischen Gesangbuch. Ein Gebet. Es ist wie ein hoffnungsvoller Seufzer. Vielleicht ist das der angemessene Weg in die Passionszeit. Nicht wissen, was kommt und doch auf die Zukunft hoffen. Seit vielen Jahren ist dieses Lied ein treuer Gefährte und vertrauter Wegbeleiter. Es ist ein echter „Welterfolg“. Es wird in Königshäusern und auf Straßen, in Kirchen, auch in Stadien, in Kathedralen sowie in Blechkirchen von Elendsvierteln gesungen, manchmal auch nur still gebetet. „Abide with me“ von Henry Francis Klyte aus dem Jahr 1847. Die bekannte Melodie schrieb William Henry Monk (1861). Wir kennen es vielleicht in der deutschen Fassung von Theodor Werner (1952). Sie finden es unter der Nummer EG 488 in unserem Gesangbuch. Christine Ziegler hat es in diesen Tagen an der Orgel von St. Aegidien mit Hilfe von Eckhard Arndt für uns als Audiotitel eingespielt:

488:1 Bleib bei mir, Herr! Der Abend bricht herein. Es kommt die Nacht, die Finsternis fällt ein. Wo fänd ich Trost, wärst du mein Gott nicht hier? Hilf dem, der hilflos ist: Herr, bleib bei mir!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

Fürbitten und Vaterunser(vgl. www.michaeliskloster.de/aktuelles/2020/03-16-gottesdienst-zeitgleich)

 

Gott. Wir sind verbunden.  Als Menschen mit Menschen. Als Glaubende miteinander. Als Glaubende und Menschen mit Dir.

Gott. An diesem Morgen bitten wir Dich: Schüttele den Sand aus unseren Seelen. Binde den Esel an vor unserer Haustür. Lass ihn grasen dort.  Komm herein, über unsere Kleider und unser Grün.  Iss mit uns und schüttele den Sand aus unseren Seelen.  Wir bringen Dir unsere Gedanken, unser Danken und unser Sorgen. Heute.

Stille

Wir denken an alle, die wir lieben. Wie werden sie diese Woche bis Ostern verleben? Was tun sie gerade?

Stille.

Wir denken an alle, die in diesen Zeiten noch einsamer sind.

Stille.

Wir denken an alle Kranken. Und an alle Kranken in Krankenhäusern, die keinen Besuch haben können.

Stille.

Wir denken an alle, die helfen. Sie setzen sich und ihre Kraft und ihre Gaben ein füreinander.

Stille.

Gott. Wir sind Deine Menschen. Wir sind miteinander verbunden. Atmen die Luft Deiner Schöpfung. Beten zu Dir in allem, was ist.  Beten zu Dir mit den Worten, die uns im Herzen wohnen:  Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

Segen

Hände öffnen und laut sprechen: Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.                             

 

Herzliche Grüße aus dem Pfarrhaus Lauenau, Gottes Segen und Gesundheit Ihr/Euer Roland R. Ressmann, Pastor - Lauenau – Hülsede – Messenkamp

Andachten für Alle

UMKEHR“

Nach dreihundert Metern biegen Sie links ab. Wenn möglich bitte wenden“, so hören wir manchmal die Stimme unseres Navis.

Bei vielen steht das Auto jetzt still. #stayathome, leichter gesagt als getan?

Jetzt heißt es, sich in den eigenen vier Wänden neu zu orientieren. Wege zu finden, um mit sich selbst und vor allem miteinander klar zu kommen.

Wann haben Sie das letzte Mal mit ihren Kindern gespielt, eine Geschichte vorgelesen oder sogar Hausaufgaben gemacht?
Das gemeinsame Frühstück oder auch das Zubereiten des Essens genossen?

Wir nutzen die Krise, um uns neu zu entdecken! Die Krise als Chance, um darüber nachzudenken, was uns im Leben wirklich wichtig ist.
Klar, alles schöne Worte! Die momentanen Einschränkungen führen aber auch zu Stress.

Laut Berichterstattung nimmt die häusliche Gewalt zu und Menschen, die schon vorher alleine lebten, fühlen sich noch einsamer und werden zum Teil sogar depressiv! Hilfe ist not-wendig und wird von vielen Menschen auch geleistet. Der große Run auf Toilettenpapier, Mehl, Konserven und Nudeln hat sich etwas gelegt. Ja und nun?

Vielleicht nimmt sich manch einer ein Buch, das schon lange darauf wartet gelesen zu werden. Andere schauen gemeinsam Filme, telefonieren einfach mal länger als sonst oder man genießt das schöne Frühlingswetter und macht ausgedehnte Spaziergänge.

Viele wollen arbeiten, dürfen aber momentan nicht. Die, die arbeiten müssen, tun dies vielleicht auch mit einer gewissen Anspannung und der Angst einer möglichen Infektion. Wäre ein Ende in Sicht, würden wir wahrscheinlich mit mehr Gelassenheit unseren Alltag meistern. Diese Unsicherheit, wie lange es noch so weitergeht, macht nicht unbedingt zufrieden.

Wir waren alle so gut durchorganisiert mit Terminen, dem „alltäglichen Wahnsinn“, dem Festlegen von Zielen, die in einem vorgegebenen Rahmen erreicht werden sollten. Firmen, Selbstständige, Kindergärten, Schulen,… !

Könnte das Navi unsere augenblickliche Lage erkennen, hieße es nicht mehr: „Wenn möglich bitte wenden“, sondern „Stopp! Sofort umkehren!“

Nächstenliebe zeichnet sich zur Zeit darin aus soziale Distanz, ja Abstand zu halten. Wir lernen gerade neue Wege einander zu helfen.

Genau in diesem Moment muss ich an einen Abschnitt des 23. Psalms denken:

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal,

fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir.“

 

Gott ist da. Im Licht und im Dunkel. Er bietet sich an. Er drängt sich nicht auf. Er begleitet. Auf ihn kann ich mich verlassen.

Möglicherweise sind es gerade jetzt diese neuen, ungewohnten Augenblicke, die unsere Umkehr in eine innere Einkehr verwandeln. Vielleicht gelingt es. Mit Gottes Hilfe.

Beste Grüße und Gesundheit!

Andrea Nieragden, D.